Malawi

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Staat und Verwaltung

Offizielle Bezeichnung englisch: Republic of Malawi; deutsch: Republik Malawi
Unabhängigkeit 6. Juli 1964 (von Großbritannien)
Fläche 118.480 qkm
Landesnatur eng gestrecktes Plateau mit Flachland, Hügeln und einigen wenigen Bergen; subtropisches Klima
Höchste Erhebung Sapitwa (Mount Mulanje; 3.002 m)
Küste Binnenland mit Grenzen zu Sambia, Tansania und Mosambik
Umweltprobleme Entwaldung, Landdegradierung, Wasserverschmutzung, Verschlammung gefährdet Fischpopulationen
Einwohnerzahl 10.701.824 (geschätzt Juli 2002)
Bevölkerungsdichte 113,8 Einwohner pro qkm Landfläche
Hauptstadt Lilongwe
Landessprachen Englisch (Amtssprache), Chichewa (Amtssprache), andere wichtige regionale Sprachen
Religionen Protestanten (55%), Römisch-Katholische (20%), Muslime (20%), Anhänger indigener Religionen (3%), andere (2%)
Staatsform Mehrparteiendemokratie
Wahlrecht wahlberechtigt sind alle Bürger ab 18 Jahren
Exekutive Staatsoberhaupt: President Bakili Muluzi (seit 21. Mai 1994); Regierungschef: Muluzi; Kabinett: 38-Mitglieder-Kabinett ernannt durch Präsidenten; Wahlen: Präsident vom Volk für fünf Jahre gewählt
Legislative Einkammer-Nationalversammlung mit 193 auf fünf Jahre gewählten Abgeordneten
Parteien Alliance for Democracy (AFORD); Malawi Congress Party (MCP); Malawi Democratic Party (MDP); United Democratic Front (UDF; Regierungspartei))
Rechtssystem basiert auf englischen Recht und traditionellem Recht
Justiz Supreme Court of Appeal, High Court, Magistrate's Court
Verwaltungsgliederung 27 Distrikte: Balaka, Blantyre, Chikwawa, Chiradzulu, Chitipa, Dedza, Dowa, Karonga, Kasungu, Likoma, Lilongwe, Machinga, Mangochi, Mchinfi, Mulanje, Mwanza, Mzimba, Ntcheu, Nkhata Bay, Nkhotakota, Nsanje, Ntchisi, Phalombe, Rumphi, Salima, Thyolo, Zomba
Internationale Mitgliedschaften Vereinte Nationen und Unterorganisationen; Afrikanische Union (AU); Entwicklungsgemeinschaft SADC; Handelsgemeinschaft COMESA; Afrika-Karibik-Pazifik-Staaten (AKP); Welthandelsorganisation (WTO); Internationaler Währungsfond (IMF) und Weltbank
Internationale Länderkategorien LDC - Status
(7 der 14 SADC-Staaten gelten nach UN-Bestimmungen als Least Developed Countries - "am wenigsten entwickelte Länder" - und bekommen besondere Mittelzuwendungen)
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Wirtschaft

Währung 1 Malawi-Kwacha (MWK) = 100 Tambala
Wechselkurs 1 US$ = 67,31 MWK (Dezember 2001)

Export / Importgüter
- Wichtige Exportgüter Tabak, Tee, Zucker, Baumwolle, Kaffee, Erdnüsse, Holzprodukte
- Wichtige Importgüter Nahrungsmittel, Petroleum, Halbfabrikate, Konsumgüter, Transportausstattung

Wichtige Handelspartner
- Export Südafrika (18%), Deutschland (13 %), USA (13%), Großbritannien (10%), Japan (7 %), Niederlande (3%)
- Import Südafrika (40%), Großbritannien (11%), Simbabwe (7%), Japan (5%), Deutschland (2%), USA (1,8%), Sambia

Infrastruktur
- Eisenbahn 797 km
- Straßen 14.594 km (davon 2.773 geteert)
- Flugplätze 44 (davon 6 mit befestigten Start- und Landebahnen)
- Häfen Chipoka, Monkey Bay, Nkhata Bay, Nkhotakota, Chilumba

Weitere wirtschaftliche Indikatoren siehe Ländervergleich Wirtschaft
Soziale Indikatoren siehe Ländervergleich Soziales

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Chronologie

Frühgeschichte
vor über 2 Mio. Jahren Vermutlich besiedelten Verwandte des Homo Rudolfensis das Ufer des Nyassasees. Bei Ausgrabungen im Jahr 1993 stieß man auf Knochenfunde, die darauf hinweisen.
25.000 v. Chr. San, nomadische Jäger und Sammler, besiedeln das Gebiet des heutigen Malawi. Später nutzen auch Khoikhoi das Land zur Weidung ihrer Rinder und Schafe. Es wird sogar angenommen, dass Pygmäen-Buschleute aus dem Kongobecken am Ufer des Malawisees (Nyassasees) siedelten.

Die Besiedlung durch Bantuvölker
um 300 n. Chr. Khoi und San werden von Bantuvölkern vertrieben. Auf Grund der Kenntnisse der Bantu im Bereich der Eisenverarbeitung, Landwirtschaft und Fischerei kann das Land urbar gemacht werden. Es entstehen Siedlungen am Ufer des Malawisees.
bis 1300 Einige der Bantusiedlungen wachsen zu Königreichen heran: So das der Chewa im Süden des heutigen Malawi, der Undi im heutigen Zentralmalawi und der Tumbuka im Norden Malawis.
16./17. Jh. Das Königreich Marawi erlebt seine Blütezeit. Der Namen der heutigen Republik Malawi ist auf das Marawi-Königreich zurückzuführen. Er bedeutet "widerspiegelndes Licht" - vermutlich eine Anspielung auf die Sonnenspiegelung im Wasser des Malawisees.
frühes 19. Jh. Auf dem Gebiet der heutigen Regionen Blantyre und Zomba lassen sich Yao (Migranten aus dem benachbarten Mosambiks) nieder. Sie betreiben Handel mit Elfenbein, Kupfer und Sklaven. Dies zieht arabische und ostafrikanische Händler an, mit deren Ankunft in Malawi der Sklavenhandel expandiert. Die Sklavenhändler haben zwei Dhows (arabische Segelschiffe) auf dem See stationiert, auf dem die Sklaven an das andere Ufer transportiert werden.
20er Jahre des 19. Jh. Die gewaltsame Ausbreitung des Zulureiches unter deren König Shaka, bekannt als Epoche der Difaqane/Mfecane, treibt Nguni-Flüchtlinge in die Regionen Dedza, Mzimba und Dowa.
um 1876 Die Yao beherrschen anstelle der Araber das Gebiet südlich des Malawisees. Durch den Handel besitzen sie moderne Schußwaffen. Sie bekämpfen sich mit den Zuluvölkern aus dem Hochland und treiben auf diese Weise das Land in den Ruin.

Europäische Landnahme
frühes 19. Jh. Portugiesische Händler aus Mosambik starten Expeditionen in das Gebiet Malawis.
1859 Der schottische Missionar David Livingstone entdeckt den von ihm so genannten Nyassasee und weckt das Interesse seiner Landsmänner mit Erzählungen über den "See der Sterne". Daraufhin kommt es zu sporadischen Siedlungen von britischen Missionaren und Händlern. Der britische Einfluss wird in der Region Malawis ausgebaut.
1878 Die African Lakes Company wird von schottischen Geschäftsleuten als Handels- und Transportunternehmen gegründet, das in enger Kooperation mit den Missionaren arbeitet. Sie richtet ihren Sitz in Blantyre ein und setzt es sich zum Ziel, den Sklavenhandel durch legalen Handel mit natürlichen, landwirtschaftlichen Waren unattraktiv zu machen.
1883 Zum Schutz der britischen Siedler - damals 32 Personen - und zur Wahrnehmung der britischen Interessen wird ein britischer Konsul ernannt mit dem Titel "Consul to the territories of the African kings and chiefs in the districts adjacent to the lake Nyasa".
1884/5 Auf der Berliner Kongo-Konferenz werden die Spielregeln für das so genannte Scramble for Africa festgelegt: Nicht historische, von Küstenregionen abgeleitete Rechte sollen für die Aufteilung Innerafrikas maßgebend sein, sondern das Okkupationsrecht, d. h. die mit den Afrikanern vertraglich vereinbarte permanente Besetzung eines Gebietes. Für das Gebiet des heutigen Malawi ist Sir Henry Johnston einer der einflussreichsten Personen der Kolonialgeschichte. Als britischer Konsul zunächst in Mosambik tätig, schließt er derartige Verträge im unteren Shiregebiet (Südmalawi), im Shirehochland und am Westufer des Malawisees.
Ende der 1880er Die Deutschen haben mittlerweile fast ganz Tanganyika erobert und wollen ihren Einfluss auf das Gebiet am gegenüberliegenden Ufer des Malawisees ausbreiten. Die Portugiesen planen Ähnliches und drängen von Südwesten in das Land. Die in Malawi siedelnden Briten fühlen sich dadurch bedroht.
1889/91 Die Ängste der britischen Siedler führen zu Verhandlungen mit den Deutschen und Portugiesen. Diese werden mit dem Anglo-German Agreement von 1889 und dem Anglo-Portugese Treaty von 1891 abgeschlossen.
1891 Nachdem das Angebot Cecil Rhodes, das Gebiet Malawis unter Hoheit der British South Africa Company (BSAC) zu stellen, von Missionaren und Siedlern gleichermaßen abgelehnt wird, gründet sich im Mai des Jahres das Britische Zentralafrika-Protektorat, das später in Protektorat Nyassaland umbenannt wird. Hier, wenn auch später als in vielen anderen britischen Kolonien, wird das System des so genannten Indirect Rule eingeführt: Die Kolonie wird von afrikanischen Stammesoberhäuptern regiert, die unter Hoheit der britischen Regierung stehen.
1907 Das Protektorat wird in die Kolonie Nyassaland umgewandelt.
frühes 20. Jh. Um Lohnarbeitskräfte für die Plantagen im Süden des Protektoratsgebiets und in anderen Teilen des Südlichen Afrika zu gewinnen, den marktorientierten Anbau der Afrikaner zu fördern und den Staatshaushalt zu tragen, hat man bereits 1892 für die im Süden lebenden Afrikaner eine Kopfsteuer eingeführt, die 1904 durch die Hüttensteuer für das ganze Land abgelöst wird. Die Besteuerung zwingt zum Erwerb von Bareinkommen, dessen Folge ein Strom von Wanderarbeitern in die Südregion des Protektorats und nach Simbabwe und Südafrika ist.

Die Zeit der Unabhängigkeitsbewegung
1915 Eine erste, isolierte Rebellion der afrikanischen Bevölkerung unter John Chilembwe gegen die britische Bevormundung wird blutig niedergeschlagen.
1940er Die Unzufriedenheit mit der britischen Hoheit sowie die Opposition dagegen finden ihren Ausdruck in der Gründung von Wohlfahrtsorganisationen und politischen Parteien, v.a. des Nyasaland African Congress (NAC).
1953 Die Eingliederung Nyassalands in die Zentralafrikanische Föderation mit Nord- und Südrhodesien stößt auf Widerstand der afrikanischen Bevölkerung und der Missionare im Land. Der Zusammenschluss bedeutet eine enorme Stärkung der europäischen Herrschaft. In Nyassaland leben die Afrikaner vergleichsweise frei; Passzwang oder eine Einschränkung in der Bewegungsfreiheit gibt es nicht. Ein wichtiger Grund für die Opposition zur Föderation besteht in der Hoffnung, unter der Kolonialregierung über kurz oder lang die Unabhängigkeit erwarten zu können. Unter der Föderationsregierung bestehen dafür nur geringe Chancen. Man befürchtete die Herrschaft weißer Siedler wie in Südrhodesien.
1957 Dr. Hastings Banda wird zum Vorsitzenden des NAC ernannt. Es kommt zu heftigen Streiks, Demonstrationen und Aufständen.
1959 Der Ausnahmezustand wird ausgerufen, der NAC verboten und Banda sowie zahlreiche andere Führer der Unabhängigkeitsbewegung verhaftet.
1960 Kurz nach seiner Entlassung im April wird Banda Vorsitzender der neu gegründeten Malawi Congress Party (MCP). Zwei Untersuchungskommissionen geben den Anstoß, Nyassaland die weitere Mitgliedschaft in der Zentralafrikanischen Föderation freizustellen. Eine neue Verfassung gewährt die Ausweitung des Wahlrechts und erweiterte Selbstbestimmung der afrikanischen Bevölkerung.
1961 Aus den Wahlen vom August des Jahres geht die MCP als Sieger hervor.
6. Juli 1964 Malawi wird von Großbritannien in die Unabhängigkeit entlassen. Staatspräsident wird Kamuzu Hasting B. Banda.

Das autoritäre Regime Bandas
1964 Schon im September werden die ersten Minister des Kabinetts ins Exil getrieben.
1966 Malawi wird in eine Präsidialrepublik innerhalb des Commonwealth und zum Einparteienstaat umgewandelt.
1971 Statt Parlamentswahlen abhalten zu lassen, nominiert Banda die Abgeordneten. Im gleichen Jahr ernennt er sich zum Präsidenten auf Lebenszeit. Unter Banda ist Malawi ein Polizeistaat und eine antikommunistisch eingestellte Diktatur. Als solche erfreut sie sich in Zeiten des Kalten Krieges der Unterstützung des Westens. Zudem unterhält Banda als einziger Regierungschef der so genannten Frontstaaten enge Beziehungen zum Aprtheidregime in Südafrika.
1970er und 80er Jahre Politische Opposition ist unter Banda verboten, Kritiker der Regierung werden unnachgiebig verfolgt. Dabei tun sich die paramilitärisch organisierten Young Pioneers der MCP besonders hervor. Selbst im Exil sind Mitglieder verschiedener Oppositionsbewegungen (The Socialist League of Malawi, The Malawi Freedom Movement, The Congress of the Second Republic) vor Verfolgung durch malawische Geheimdienste nicht sicher.
1992 Nach blutigen Unruhen setzen die katholischen Bischöfe im März einen kritischen Hirtenbrief mit der Forderung nach umfassenden Reformen auf. Dieser ermutigt zahlreiche Menschen, sich mit dem Ruf nach Demokratie zu erheben. Die Verhaftung des populären Gewerkschaftfunktionärs Chakufwa Chihana sowie die allgemeine Unzufriedenheit führen zu Streiks, öffentlichen Demonstrationen und Plünderungen. Mehrere Dutzend Menschen werden von Sicherheitskräften erschossen.
1993 In einem Referendum entscheiden sich im Juni die Wähler mit deutlicher Mehrheit für ein Mehrparteiensystem und leiten damit den friedlichen Demokratisierungsprozess ein.

Die demokratische Republik Malawi
Mai 1994 Am 17. Mai finden die ersten freien Präsidentschafts- und Parlamentswahlen Malawis statt. Die neu gegründete United Democratic Front (UDF) erhält die Mehrheit der Stimmen. Bakili Muluzi (früherer Generalsekretär der MCP) wird am 21. Mai als neuer Präsident vereidigt.
Mai 1995 Die Verfassungsreform sieht 177 Sitze in der Nationalversammlung, Legislaturperioden von jeweils fünf Jahren und eine Direktwahl des Präsidenten vor.
Juni 1999 Am 15. Juni finden zum zweiten Mal freie Wahlen statt. Präsident Bakili Muluzi wird in seinem Amt bestätigt. Auch die Sitzverteilung im auf 193 Sitze erweiterten Parlament bleibt weitestgehend gleich: Die UDF stellt die stärkste Fraktion, die MCP und die Alliance for Democracy (Aford) bleiben in der Opposition.
2001/02 Präsident Muluzi kann nach gültiger Verfassung nur zwei Legislaturperioden im Amt verweilen. Versuche der Regierungspartei, die Verfassung zu ändern und Muluzi zu einer dritten Amtsperiode zu verhelfen, haben zu landesweiten Protesten geführt. Die Stimmung in der Bevölkerung gegen eine dritte Amtszeit verhilft Brown Mpinganjira, der Ende 2000 nach Korruptionsvorwürfen aus der UDF ausgeschlossen wurde, zu einem politischen Comeback. Seine 2001 gegründete National Democratic Alliance (NDA) versteht er als "pressure group" gegen die Regierungspolitik. Ihr Antrag auf Parteibildung ist noch anhängig.
Juli 2002 Die umstrittene Vorlage zur Verfassungsänderung (Open Term Bill), mit der Muluzi eine dritte Amtsperiode ermöglicht werden soll, scheitert an der Parlamentsmehrheit, nachdem die zuvor von der Regierung eingekaufte Oppositionsfraktion um John Tembo umgefallen ist.
Febr./März 2003 Nach einer erneut sich abzeichnenden Abstimmungsniederlage im Parlament wird im Februar eine modifizierte Gesetzesvorlage (Third Term Bill) zurückgezogen. Muluzi zeigt sich bereit, nicht mehr zu kandidieren. Durch eine Veränderung des Parteienstatuts versucht er, sich über den Parteivorsitz erheblichen Einfluss auf die Regierungspolitik zu sichern.
August 2003 Auf dem Parteitag der UDF wird der von Muluzi ins Spiel gebrachte politische Außenseiter Bingu wa Mutharika zum Präsidentschaftskandidaten der Partei für die 2004 anstehenden Wahlen gekürt. Muluzi erhält ohne Gegenstimmen das neu geschaffene Amt des Parteivorsitzenden.

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