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| Offizielle Bezeichnung | englisch: Republic of South Africa; deutsch: Republik Südafrika |
| Unabhängigkeit | 31. Mai 1910 (von Großbritannien) |
| Fläche | 1.219.912 qkm |
| Landesnatur | ausgedehntes Inlandsplateau umrandet von schroffen Felsen, enges Küstenflachland, sehr vielfältige Vegetation: Savannen, Grasland, Halbwüsten, Fynbos, Regenwald; semiarides Klima, entlang der Küste subtropisch |
| Höchste Erhebung | Njesuthi (3.408 m) |
| Küste | 2.798 km; im Osten und Süden Indischer Ozean; im Westen Atlantik |
| Umweltprobleme | Fehlen von wichtigen Hauptflüssen oder Seen erfordert umfassenden Wasserschutz und Kontrollmaßnahmen; Wasserverbrauch steigt stetig an; Verschmutzung von Flüssen sowie Luftverschmutzung; Bodenerosion, Desertifikation |
| Einwohnerzahl | 43.647.658 (Juli 2002 geschätzt) |
| Bevölkerungsdichte | 35,8 Einwohner pro qkm Landfläche |
| Hauptstadt | Pretoria (Regierungssitz); Sitz des Parlaments in Kapstadt, des Supreme Courts in Bloemfontein |
| Landessprachen | elf Amtssprachen: Englisch, Afrikaans, Ndebele, Pedi, Sotho, Swazi, Tsonga, Tswana, Venda, Xhosa, Zulu |
| Religionen | Christen (68%), Muslime (2%), Hindu (1,5%), traditionelle afrikanische Religionen und Animisten (28,5%) |
| Staatsform | Republik |
| Wahlrecht | wahlberechtigt sind alle Bürger ab 18 Jahre Jahren; Verhältniswahlrecht |
| Exekutive | Staatsoberhaupt: Präsident Thabo Mbeki; Stellvertretender Präsident Jacob Zuma; Wahlen: Präsident wird aller fünf Jahre von Nationalversammlung gewählt; Regierungschef: MbekiI; Stellvertreter ZUMA; Kabinett: Ernennung durch Präsidenten |
| Legislative | Parlament: Zweikammernparlament bestehend aus Nationalversammlung (400 Sitze, alle fünf Jahre gewählt) und Nationalrat der Provinzen (90 Sitze, je 10 von den neun Provinzparlamenten gewählt) |
| Parteien | African Christian Democratic Party (ACDP); African National Congress (ANC; Regierungspartei); Democratic Alliance (DA); Freedom Front (FF); Independent Democrats (ID); Inkatha Freedom Party (IFP; Regierungspartei); New National Party (NNP); Pan African Congress (PAC); United Democratic Movement (UDM) |
| Rechtssystem | basiert auf römisch-niederländischem und englischem Recht |
| Verwaltungsgliederung | neun Provinzen: Ostkap, Free State, Gauteng, KwaZulu-Natal, Limpopo, Mpumalanga, Nord-West, Nordkap, Westkap |
| Internationale Mitgliedschaften | Vereinte Nationen und Unterorganisationen; Afrikanische Union (AU); Entwicklungsgemeinschaft SADC; Handelsgemeinschaft COMESA; Afrika-Karibik-Pazifik-Staaten (AKP); Welthandelsorganisation (WTO); Internationaler Währungsfond (IMF) und Weltbank |
| Internationale Länderkategorien | kein LDC-Status |
| Währung | 1 Rand (ZAR) = 100 Cents |
| Wechselkurs | 1 US$ = 11,59 Rand (Januar 2002) |
Export / Importgüter |
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| - Wichtige Exportgüter | Gold, Diamanten, Platin, andere Mineralien und Metalle, Maschinen und Ausstattung |
| - Wichtige Importgüter | Maschinen, Nahrungsmittel und Ausstattung, Chemikalien, Petroleum, wissenschaftliche Instrumente |
Wichtige Handelspartner |
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| - Export | EU (33%), USA (20%), Japan (6%), Mosambik (2,5%) |
| - Import | EU (41%), USA (11,4%), Saudi Arabien (7,3%), Japan (7%) |
Infrastruktur |
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| - Eisenbahn | 20.384 km |
| - Straßen | 358.596 km (davon 59.753 km geteert) |
| - Flugplätze | 740 (davon 143 mit befestigten Start- und Landebahnen) |
| - Häfen | Kapstadt, Durban, East London, Mossel Bay, Port Elisabeth, Richards Bay, Saldanha |
Weitere wirtschaftliche Indikatoren siehe Ländervergleich
Wirtschaft
Soziale Indikatoren siehe Ländervergleich Soziales
| Vor- und Frühgeschichte | |
| Vor- und Frühformen des heutigen Menschen lebten vor etwa drei Millionen Jahren im Gebiet des heutigen Südafrika. | |
| ca. 100.000 v. Chr. | Knochenfunde lassen darauf schließen, dass der heutige Menschentyp homo sapiens sich in Südafrika niedergelassen hat. |
| ca. 60.000 - 50.000 v. Chr. | In der heutigen Provinz Mpumalanga finden sich aus dieser Zeit früheste Felszeichnungen. Spätere Ablagerungen und Felszeichnungen zeigen, dass das Territorium des heutigen Südafrika seitdem beständig besiedelt wurde. |
| 35.000 | Khoisan-Völker beginnen Südafrika zu besiedeln. Sie tradieren die Kunst der Felszeichnungen. |
| um 1.000 | Khoisan-Völker siedeln im gesamten Territorium des heutigen Südafrika. Sie sind Sammler und Jäger. Es erfolgt eine langsame Entwicklung der Technik und Werkzeuge, allerdings ohne Nutzung von Metallen. Die Existenz als Wildbeuter setzt eine äußerst geringe Bevölkerungsdichte und einen mehr oder weniger ausgeprägten Nomadismus voraus. Beides führt zu sehr kleinen sozialen Einheiten. |
| ca. 400 n. Chr. | Bantusprachige Feldbauern der frühen Eisenzeit besiedeln dünn und ungleichmäßig das Südliche Afrika. Archäologische Funde zeigen, dass sie wasserreiche Gebiete bevorzugen, wo sie hauptsächlich Jamswurzeln und Sorghum anbauen, Fischfang und Jagd betreiben. Sie unterhalten auch kleine Viehbestände. |
| um 500 | Bantu-Gruppen wandern aus dem Niederfeld der Küste in Täler an den Ausläufern des Hochvelds, dessen Hochland sie als Weideflächen nutzen. Die Viehzucht gewinnt hier an Bedeutung. Das Gehöft wird bei den Viehzucht treibenden Völkern die soziale Einheit, es bildet sich eine enge Verknüpfung von Viehzucht und sozialem Status heraus. Die Ausdehnung der Weidewirtschaft wird für die Entstehung größerer politischer Gemeinwesen bedeutsam. In den Soutpansbergen im nördlichen Transvaal errichten Gruppen Rundhüttendörfer, in deren Mitte Viehpferche liegen. Sie werden für weite Teile Südafrikas typisch. Aus dieser Zeit datieren reich verzierte Tonplastiken, die auf ein hoch entwickeltes Töpferhandwerk schließen lassen. |
| ca. 980 | Die bantusprachigen Gruppen erreichen den Großen Kei-Fluss im heutigen Ostkap. Von hier aus ziehen sie vorerst nicht weiter, denn Sorghum, ihre Hauptpflanze, ist ein Getreide des Sommerregens und für den Winterregen am südlichen und westlichen Kap nicht geeignet. Die westlichen Gebiete werden weiterhin von Khoisan-Völkern bewohnt. |
| um 1200 | Aus dieser Zeit datieren die ältesten Funde von Goldschmiedearbeiten. |
Ankunft der Europäer |
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| 1488 | Der Portugiesische Seefahrer Bartolomeu Diaz umrundet das Kap der Stürme, das später in Kap der Guten Hoffnung umbenannt wird. Spätere Seefahrer gehen verschiedentlich zwecks Proviantierung entlang der südafrikanischen Küste an Land. Die Küstenbewohner zeigen sich als friedliche Handelspartner. Schiffbrüchige überleben durch die Gastfreundlichkeit der Küstenbewohner. |
| 1652 | Jan van Riebeeck landet mit 90 Soldaten an der Kap-Spitze, um eine Versorgungsstation für die holländische Ost-Indische Kompanie zu errichten. Ab 1657 werden nach und nach Besatzungsmitglieder der Versorgungsstation, deren Dienstzeit abgelaufen ist, als Freibauern angesiedelt. Später kommen Einwanderer aus Holland und Niederdeutschland und aus Frankreich flüchtige Hugenotten hinzu. |
| 1659 | Das rücksichtslose Verhalten Riebeecks und seiner Truppe führt erstmals zu heftigen Kämpfen mit den anwohnenden Afrikanern. |
| bis 1750 | Die Freibauern rotten die Khoisan-Völker der Kapregion nahezu aus. Sie selbst betreiben eine auf Sklavenhaltung basierende Landwirtschaft. |
| 1779 | Bantu-Völker und weiße Eindringlinge treffen erstmals aufeinander. Bis 1877 lösen die Expansionsbestrebungen der weißen Siedler neun große Kriege zwischen Schwarzen und Weißen aus. |
| 1795 | Während der napoleonischen Kriege überträgt die Ostindische Kompanie die Verwaltung des Kap an die britische Krone. |
| 1814 | Das Kap wird im Rahmen der europäischen Neuordnung nach den napoleonischen Kriegen als Kolonie formal an die britische Krone abgetreten. |
| 1818 | König Shaka einigt die Zulu und gibt ihnen eine neue straff militärische Organisationsstruktur. Seine Expansionskriege lösen in der gesamten Region bis zum Sambesi große Völkerwanderungen (Mfecane) aus. |
| 1834 | Die britische Regierung verbietet den Sklavenbesitz. |
| 1835-43 | Die unterschiedliche Auffassung von Briten und Buren über die Behandlung und den Umgang mit Afrikanern löst den „Großen Treck“ aus. Die Buren suchen sich durch Vordringen nach Osten dem britischen Einfluss zu entziehen. Der „Große Treck“ wird in der theologisch gefärbten Ideologie der Buren mit dem Auszug des Volkes Israel aus Ägypten ins verheißende Land verglichen. |
| 1838 | Die Buren siegen am Blood River über die Zulu. |
| 1839-43 | Die Buren gründen an der Küste des Indischen Ozeans ihre erste Republik Natal. Sie besteht vier Jahre, bis sie von Großbritannien annektiert wird. |
| 1852 | Die Briten erkennen die Unabhängigkeit Transvaals an. Es dauert jedoch bis 1860, ehe die Buren eine innere Einheit erreichen und dort die Südafrikanische Republik gründen. Der Krieg untereinander währt allerdings noch vier Jahre weiter. |
| 1854 | Mit dem Oranje Freistaat entsteht eine weitere Burenrepublik. Im gleichen Jahr wählt die Kapkolonie ihr erstes Parlament. |
| 1872 | Die Kapkolonie erhält eine autonome Regierung. |
Kampf der Briten und Buren um die Herrschaft |
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| 1867-86 | Gold und Diamantenfunde wecken die Begehrlichkeiten des Briten Cecil Rhodes. |
| 1877 | Die Briten annektieren die Republik Transvaal. |
| 1880/81 | Im ersten "Burenkrieg erobern die Buren Transvaal zurück. |
| 1895 | Ein von Cecil Rhodes unterstützter Angriff auf Transvaal schlägt fehl. Rhodes, damals Premierminister des Kaplandes, muss zurücktreten. |
| 1899 | Der zweite Burenkrieg beginnt. Es geht um die Kontrolle über die Gold- und Diamantenfelder. Die meisten gebildeten Schwarzen unterstützen die Briten. Sie erwarten sich von ihnen das Wahlrecht und das Recht auf Freizügigkeit. |
| 1902 | In einem Krieg der verbrannten Erde werden die Buren von den Briten geschlagen. Im Frieden von Vereeniging wird der koloniale Status der Burenrepubliken festgelegt und den Buren der Gebrauch des Afrikaans in den Schulen zugestanden. Die Frage des Wahlrechts für Afrikaner wird vertagt und später negativ entschieden. |
| 1906 | Die Briten gestehen den Buren eine "selbstverantwortliche" Regierungsform ihrer Republiken zu. |
Die Südafrikanische Union |
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| 1910 | Die Südafrikanische Union wird ohne Mitwirkungsmöglichkeit der (nichtweißen) Mehrheit gegründet; sie wird als britisches Herrschaftsgebiet Mitglied im Commonwealth. Die Kap-Provinz behält vorerst das geltende liberale Wahlrecht, nach dem Schwarze weiße Vertreter wählen können, Transvaal und Orange Freistaat behalten die Praxis des Ausschlusses aller Nichtweißer von politischer Macht bei. |
| 1911 | Afrikaner können keine Zeugnisse als ausgebildete Arbeiter mehr erhalten. |
| 1912 | Der African National Congress ANC wird gegründet. Er versucht vor allem durch Petitionen an die Regierung in London deren mäßigende Einwirkung auf die rassistische Ausschließungspolitik der südafrikanischen Regierung zu erwirken. |
| 1913 | Die Landgesetze verbieten den Bodenerwerb für Afrikaner außerhalb der Reservate (7,3% der Fläche Südafrikas). Die Fläche der Reservate wird 1936 auf 13% des Territoriums erweitert. |
| 1914-18 | Schwarze Südafrikaner fallen auf europäischen Schlachtfeldern. |
| 1914 | Ein Gesetz ermöglicht das Verbot "politischer" Versammlungen. |
| 1919 | Mit der Industrial and Commercial Workers Union (ICU) gründen die Schwarzen einen eigenen Gewerkschaftsverband. Er löst sich 1930 nach Streitigkeiten über die Mitarbeit von Kommunisten auf. |
| 1921 | Die Kommunistische Partei Südafrikas SACP wird gegründet. |
| 1922 | Weiße Gewerkschaften rufen ihre Arbeiter zu einem Generalstreik auf. Sie verlangen eine Eingrenzung der Beschäftigung schwarzer Arbeiter in den Bergwerken. Sie bewaffnen sich und übernehmen die Bergwerke. Die "Randrevolte" wird von der Armee nach vier Tagen niedergeschlagen. |
| 1923 | Die Trennung von Wohngebieten nach Rassen wird eingeführt. |
| 1926 | Das Recht auf Streik wird für Afrikaner eingeschränkt. |
| 1927 | Außerehelicher Geschlechtsverkehr zwischen Schwarzen und Weißen wird verboten. |
| 1936 | Die Afrikaner verlieren ihr beschränktes Wahlrecht in der Kap-Provinz. Es werden getrennte Wählerlisten eingerichtet. |
| 1939-45 | Schwarze Südafrikaner kämpfen im Zweiten Weltkrieg auf Alliierter Seite gegen Faschismus und Diktatur. |
| 1944 | Innerhalb des ANC wird die Jugendliga gegründet. Gründer sind u.a. Nelson Mandela, Walter Sisulu und Oliver Tambo. Die Jugendliga setzt sich zur Aufgabe, das allgemeine politische Bewusstsein zu mobilisieren und als "Pressure Group" innerhalb des ANC zu fungieren; beides mit dem Ziel, die nationale Einheit der Afrikaner voranzutreiben, um so den Kampf gegen die weiße Herrschaft effektiver führen zu können. |
| 1946 | Massenhafte Streiks afrikanischer Bergarbeiter werden niedergeschlagen. |
Apartheid |
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| 1948 | Bei den Parlamentswahlen siegt die Nationale Partei. Sie festigt durch neue Gesetze und Bestimmungen die Rassentrennung. Apartheid wird verfassungsmäßig verankert. |
| 1949 | Die Eheschließung zwischen Weißen und Nichtweißen wird verboten. |
| 1950 | Die Rassengruppen werden definiert und alle Bürger danach klassifiziert und registriert. Die Siedlungs- und Wohngebiete werden endgültig nach Rassen aufgeteilt. Die Kommunistische Partei wird verboten; die schwammige Definition des Begriffs Kommunismus gibt der Regierung weitgehende Vollmachten ohne Kontrolle der Gerichte. |
| 1951 | Die Bantu-Behörden werden geschaffen, der Zugang für Afrikaner in die Städte wird erschwert, Inder und Mischlinge werden aus der allgemeinen Wählerliste gestrichen und erhalten eigene Vertretungskörperschaften. |
| 1952 | Für alle Schwarzen wird das Referenzbuch, der so genannte Pass, eingeführt. Es bestätigt ein Arbeitsverhältnis und erlaubt das Betreten ansonsten Weißen vorbehaltenen Gebietes. Es ist ständig mitzuführen. |
| 1953 | Ein neues Gesetz stellt Proteste gegen geltende Gesetze unter Strafe. Für Schwarze wird ein besonderes Erziehungsprogramm eingeführt. Dieses Bantu-Erziehungssystem wird von den Schwarzen als minderwertig und erniedrigend empfunden. Mit der "kleinen Apartheid" wird die Rassentrennung in öffentlichen Einrichtungen von Parks bis zu Kino- und Bahnschaltern verordnet. |
| 1955 | ANC, der Congress of Democrats, der Indian Congress und der Coloured Peoples Congress - die so genannten Charteristen - bilden die Kongress-Allianz und verabschieden die Freiheitscharta, die sich für ein demokratisches und freiheitliches Südafrika ohne Rassismus ausspricht. "Südafrika gehört allen, die darin leben". |
| 1956 | Die Regierung verbietet die Registrierung gemischtrassischer Gewerkschaften; Arbeitsplätze werden für bestimmte Rassengruppen reserviert. |
| 1958 | Der Pan Africanist Congress PAC spaltet sich vom ANC ab. Er betont im Zuge des Panafrikanismus die schwarzen Wurzeln und lehnt eine Beteiligung von Weißen bei der Konzeption eines neuen Südafrika ab. |
Vom Protest zum bewaffneten Widerstand und Ausbau des Unterdrückungsapparates |
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| 1960 | Am 21. März werden bei einem Massaker in Sharpeville 69 Menschen getötet
und 186 verwundet, als die Polizei das Feuer auf Demonstranten eröffnet,
die gewaltfrei gegen die Passgesetze demonstrieren. Die Afrikaner reagieren
mit Unruhen und Streiks im ganzen Land. Die Regierung erläßt ein Gesetz,
das ANC und PAC verbietet. Dieser Schlag gegen den organisierten Teil des
schwarzen Widerstandes führte zum bewaffneten Widerstand gegen Apartheid.
Der ANC gründet mit Umkhonto we Sizwe (MK, "Speer der Nation")
einen bewaffneten Arm der Bewegung. Er beginnt im folgenden Jahr mit ersten
Angriffen auf staatliche Einrichtungen. Die Vereinten Nationen haben den 21. März zum internationalen Tag gegen Rassendiskriminierung erklärt. |
| 1961 | Die Südafrikanische Union tritt aus dem Commonwealth aus und nennt sich fortan Südafrikanische Republik. Der ANC-Präsident Albert Luthuli erhält den Friedensnobelpreis und fordert erstmals Sanktionen gegen das Apartheidregime. |
| 1962 | Die Regierung nimmt Sabotageakte zum Anlass, Einzelpersonen zu bannen.
Sie dürfen sich nicht vom Ort bewegen, erhalten Veröffentlichungsverbot
und nur begrenzten Besuch bei Genehmigung. Es ist untersagt, Aussagen von
ihnen zu zitieren. Poqo ("Wir allein"), der bewaffnete Flügel des PAC, verübt Angriffe gegen Informanten, Chiefs und Weiße. |
| 1963 | Gegen zehn Mitglieder des ANC beginnt ein Hochverratsprozess. Sie waren im Vorjahr in Rivonia, einem Vorort von Johannesburg, verhaftet worden. Ihnen wird vorgeworfen, einen gewaltsamen Umsturz vorbereitet zu haben und für die Sabotageakte die Verantwortung zu tragen. |
| 1964 | Die meisten Angeklagten des Rivonia-Prozesses werden zu lebenslanger Haft verurteilt. Mandelas Schlusswort vor Gericht ist eines der eindrucksvollsten Dokumente über das Ringen um Gleichberechtigung und ein Plädoyer für die einfachsten Grundrechte einer menschenwürdigen Gesellschaft. |
| 1965 | Es wird ein Gesetz verabschiedet, nach dem Verhaftete 180 Tage lang in Einzelhaft genommen werden können, ohne dem Gericht vorgeführt zu werden. |
| 1966 | Premierminister Verwoerd wird im Plenarsaal von einem weißen Parlamentarier erstochen. Der wird für geisteskrank erklärt und nie vor Gericht gestellt. Nachfolger wird B.J. Vorster. |
| 1967 | Das Terrorismus-Gesetz gibt der Polizei das Recht, Verhaftete auf unbefristete Zeit in Einzelhaft zu nehmen. Die Öffentlichkeit hat kein Anrecht darauf, die Namen der Verhafteten zu erfahren. |
| 1968 | Ein Gesetz wird verabschiedet, das nicht entlang der Rassenlinien organisierte politische Parteien verbietet. |
| 1970 | Der Bantu Homelands Citizenship Act beraubt alle schwarzen Südafrikaner ihrer Staatsbürgerschaft. Sie werden zu Bürgern einer der zehn Homelands ernannt. Das Gesetz bewirkt eine millionenfache Ausbürgerung der Schwarzen. Die Homelands sollen nach den Plänen der Regierung nach und nach in die "Unabhängigkeit" entlassen werden. Diesen Status erhielten bis zum Ende des Apartheidregimes die Transkei (1976), Bophuthatswana (1977), Venda (1971) und Ciskei (1981). |
| 1972 | Die Black People's Convention wird als Dachorganisation der Black Conciousness-Gruppen gegründet. |
| 1973 | In Durban beginnen Streiks. Sie weiten sich auf andere Zentren aus und markieren das Wiederaufleben eines unabhängigen Gewerkschaftswesens. |
| 1974 | Südafrikanische Einsatzkommandos dringen erstmals nach Botswana ein, um Oppositionelle zu verfolgen und zu töten. |
| 1975 | Die Inkatha wird als kulturelle Bewegung des Zulu-Volkes wiederbelebt. Die Bewegung sucht zunächst eine lose Allianz mit dem ANC. |
| 1976 | Im Johannesburger Township Soweto beginnt am 16. Juni eine Protestwelle. Auslöser ist die Einführung von Afrikaans als vorgeschriebene Unterrichtssprache an schwarzen Schulen. Bei den landesweiten Protesten werden etwa 600 Menschen getötet und 2.000 verletzt. Die Organisationen der Bewegung des Schwarzen Selbstbewusstseins werden verboten. Viele Mitglieder fliehen ins Ausland und schließen sich dem ANC an. |
| 1977 | Der Führer der Bewegung des Schwarzen Selbstbewusstseins, Steve Biko, wird in Pretoria im Polizeigewahrsam in den Tod getrieben. |
| 1978 | Aus der Bewegung des Schwarzen Selbstbewusstseins heraus gründet sich
die Azanian People's Organization AZAPO. Über einen regierungsinternen Skandal kommt P.W. Botha an die Macht. Er entwickelt die Politik der "Totalen Strategie". Alle politischen und gesellschaftlichen Ebenen sollen so formiert werden, dass die Konflikte im Inneren kontrollierbar gehalten werden. Dazu wird auch die Destabilisierung der Nachbarländer geplant. |
| 1979 | Nach einem Treffen zwischen Chief Buthelezi und dem ANC in London werden die Verbindungen zwischen Inkatha und ANC aufgelöst. |
| 1981 | Bei Kommandoaktionen nach Mosambik werden zwanzig Menschen getötet. Die
Rebellenorganisation Renamo wird von Pretoria aus unterstützt. Die südafrikanische Armee besetzt ein Drittel des Territoriums von Angola, um die Befreiungsbewegung Swapo vom direkten Zugang nach Namibia abzuschneiden. |
| 1982 | Südafrikanisches Militär greift ANC-Mitglieder in Lesotho an. 42 Menschen,
darunter 12 Bürger Lesothos, werden getötet. Das Gesetz zur inneren Sicherheit erlaubt das Verbot von Publikationen und legitimiert Hausarrest sowie unbefristete Haft. |
| 1983 | Eine Verfassungsänderung räumt den Farbigen und Indern eigene Kammern
mit begrenzten Rechten ein; Schwarze werden nicht berücksichtigt und gelten
weiterhin als Bürger der Homeland und als Ausländer in Südafrika. Gegen dieses neue Dreikammernsystem organisieren die den Charteristen nahestehende Vereinigte Demokratische Front (UDF) und das von Afrikanisten und unabhängigen Sozialisten gegründete Nationale Forum (NF) den Widerstand. |
| 1984 | Mosambik unterzeichnet auf starkem Druck durch Südafrika das Nkomati-Abkommen. ANC-Mitglieder müssen Mosambik verlassen. |
| 1985 | Nach schweren Unruhen bei Vertreibungen illegaler Siedlungen und nach
Begräbnissen von Aktivisten, die sich zu politischen Demonstrationen entwickeln,
wird in 36 Distrikten der Ausnahmezustand ausgerufen. Botha erklärt in seiner
"Rubikon-Rede" das Ende jeglicher Reformgespräche. In der Provinz Natal beginnen gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Inkatha und UDF. Im November gründen die wichtigsten unabhängigen Gewerkschaften den Dachverband Congress of South African Trade Unions. |
| 1986 | In zahlreichen Townships beginnen Aufstände: "Macht die Städte unregierbar",
heißt die Parole. Die Regierung sucht ihrer durch Ausrufung eines landesweiten
Ausnahmezustandes Herr zu werden. Bis Juni 1987 werden mehr als 25.000 Personen
verhaftet. Der mosambikanische Staatschef Samora Machel kommt bei einem von Südafrika initiierten Flugzeugabsturz ums Leben. Die UDF beruft Straßenkomitees und Volksgerichte ein. Zahlreiche Verbrechen sind die Folge. |
| 1987 | Eine Gruppe afrikaanssprachiger Weißer trifft sich in der senegalesischen Hauptstadt Dakar erstmals mit dem ANC. |
| 1988 | Den Gewerkschaften, der UDF und weiteren 16 Organisationen werden gravierende
Beschränkungen auferlegt. Nach schweren Niederlagen in Angola und dem veränderten West-Ost-Verhältnis stimmt Südafrika zum Jahresende dem Vertrag von New York zu und muss sich aus Angola zurückziehen sowie dem Unabhängigkeitsprozess in Namibia unter internationaler Kontrolle zustimmen. |
| 1989 | Es kommt zu einem ersten Treffen zwischen Botha und Nelson Mandela. Einen Schwächeanfall Bothas nutzt F.W. de Klerk, um die Regierung zu übernehmen. Er leitet eine Öffnung des Apartheidsystems ein, um wenigstens indirekt die politische Kontrolle zu behalten. |
Der Übergang |
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| 1990 | Das Verbot von ANC, PAC und 31 weiteren Organisationen wird aufgehoben,
Nelson Mandela und andere politische Gefangene werden entlassen. In Natal nehmen die gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Inkatha und UDF nicht gekannte Ausmaße an. Später wird bekannt, dass Inkatha von der Regierung massiv unterstützt wird. Die Auseinandersetzungen halten bis kurz vor den Wahlen 1994 an. |
| 1991 | Die Regierung und 18 weitere Parteien beschließen die Übereinkunft für ein demokratisches Südafrika (Codesa). |
| 1992 | In einem Referendum ausschließlich unter Weißen befürworten 69% die Fortsetzung der Verhandlungen durch die Regierung. |
| 1993 | Nach dreijährigen Verhandlungen wird ein Abkommen über eine nicht-rassische Vielparteiendemokratie beschlossen und eine Übergangsverfassung verabschiedet. Nelson Mandela und F.W. de Klerk erhalten den Friedensnobelpreis. |
| 1994 | Im Vorfeld der Wahlen suchen Anhänger der weißen Rechten und der Homelandchef von Bophuthatswana, die Regierung durch bewaffnete Aktionen zur Preisgabe der Verhandlungslösung zu bringen. Sie scheitern. Inkatha verstärkt ein letztes Mal Gewalttätigkeiten. Bis unmittelbar vor den Wahlen bleibt eine Teilnahme Inkathas ungewiss. Die Drohung einer Sezession Natals steht im Raum |
Südafrika wird Demokratie |
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| 1994 | Am 27. April finden erstmals in Südafrika freie und allgemeine Wahlen
statt. Der ANC gewinnt mit deutlicher Mehrheit; Nelson Mandela wird erster
Präsident des freien Südafrika. Gemäß der Übergangsverfassung werden die Nationalpartei und Inkatha aufgrund ihres Wahlergebnisses an der Regierung der Nationalen Einheit beteiligt. Südafrika tritt als elftes Mitglied der regionalen Entwicklungsgemeinschaft SADC bei. |
| 1996 | Südafrika erhält im Dezember seine endgültige Verfassung. Sie tritt am
3. Februar 1997 in Kraft. Die Wahrheits- und Versöhnungskommission nimmt ihre Arbeit auf. Sie soll die jüngste Vergangenheit Südafrikas aufarbeiten und die Verletzung der Menschenrechte untersuchen, die beide Seiten seit dem Massaker von Sharpeville 1960 begangen haben. |
| 1998 | Die Wahrheitskommission legt ihren Bericht vor. |
| 1999 | Bei den Parlamentswahlen kann der ANC seinen Vorsprung ausbauen. Neuer Staatspräsident wird Thabo Mbeki. Nelson Mandela hatte nicht wieder kandidiert. Die Präsidentschaft ist auf zwei Perioden begrenzt. |
| 2003 | Entgegen großzügigeren Empfehlungen der Wahrheitskommission gesteht die Regierung anerkannten Opfern der Apartheid nur eine einmalige Abfindung von 3.500 Rand zu. Opfer haben vor US-Gerichten eine Sammelklage eingereicht, in der sie von überseeischen Firmen, die durch ihre Tätigkeit die Apartheid unterstützt haben, eine Entschädigung fordern; darunter die drei großen deutschen Banken, DaimlerChrysler und der Rüstungskonzern Rheinmetall. |
| 2004 | Parlaments- und Präsidentschaftswahlen stehen an. |
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