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Nr.1-2006 |
Winfried Nachtwei |
Im Juni 2006 sollen in der Demokratischen Republik Kongo erstmals wirklich freie Parlaments- und Präsidentschaftswahlen stattfinden. In einer Volksabstimmung haben bereits im Dezember 2005 knapp 84 Prozent der Kongolesen und Kongolesinnen die neue Verfassung angenommen. Die kongolesische Bevölkerung hat hohe Erwartungen an die Wahlen. Zur Absicherung der Wahlen hat nun die UN die EU um zeitlich befristete Unterstützung gebeten. Bis zu 1.500 Soldaten sind im Gespräch. Laut UN-Anfrage soll die Übergangstruppe abschreckend wirken und gegebenenfalls die UN-Mission Monuc unterstützen. Fortgang oder Rückfall des Friedensprozesses im Kongo ist von erheblicher Bedeutung für die friedliche Zukunft ganz Zentralafrikas. Nach erfolgreichem Wahlprozess soll im September in Nairobi der zweite Gipfel der „Internationalen Konferenz für Frieden, Stabilität und Entwicklung“ in der Region der Großen Seen (ICGLR) stattfinden. Können wir Europäer und wir Deutschen da die Anfrage der UN nach Unterstützung ablehnen? Wie ist der politische Stellenwert des Wahlprozesses? Die wichtigsten Wahlbewerber sind militärische Bewegungen. Die Ordnungskräfte sind noch relativ schwach. Bisher gibt es von den 18 geplanten integrierten Armeebrigaden erst sechs – und diese leiden unter erheblichen Mängel in Ausbildung, Ausrüstung und Versorgung. Entscheidend ist der Kampf um die Macht in der Hauptstadt – mit Auswirkungen aufs ganze Land und die Krisenprovinzen. Welche Verantwortung tragen wir Europäer? Wenn vor dem Hintergrund der äußerst geringen deutschen Beteiligung an UN-geführten Missionen jetzt mehr direkte militärische UN-Unterstützung verlangt wird, hat das mit einer deutschen „Weltpolizisten“-Rolle, wie manche vorhalten, nichts zu tun – aber umso mehr mit der Autorität der UN als Weltordnungsmacht. Die Bedeutung der Wahlabsicherung wird auch nicht dadurch geschmälert, dass bei der Frage der Kongo-Mission das EU-Organisationsinteresse an einem neuen ESVP-Leistungsnachweis und einer Profilierung gegenüber der Nato eine nicht unerhebliche Rolle spielt. Gibt es andere Optionen? Welche Konsequenzen sind zu ziehen? Das Schwarze-Peter-Spiel zwischen den Regierungen ist peinlich, schadet EU und UN, untergräbt im Vorhinein die Glaubwürdigkeit einer Interimstruppe und muss ein Ende haben. Es reicht nicht, möglichst viele Gründe gegen ein Engagement anzuhäufen. Vielmehr müssen die europäischen und insbesondere die Bundesregierung alles dafür tun, dass die berechtigten Fragen und Bedenken geklärt und die Wahlabsicherung möglich, leistbar, verantwortbar und aussichtsreich ist. Wir wollen eine Kinshasa-Mission verantworten und entsenden können. Notwendige Bedingungen sind: Klarer Auftrag, UN-Mandat und Zustimmung der kongolesischen Regierung, zeitliche Befristung, Begrenzung der deutschen Kräfte auf die Hauptstadt, auf keinen Fall bloße Evakuierungstruppe, ausgewogene Lastenverteilung zwischen Deutschland, Frankreich und anderen größeren EU-Staaten sowie einem begrenzten Anteil von Kleinstkontingenten. Für den schlimmsten Fall (unbeherrschbare Eskalation bei/nach der
Wahl) muss eine Monuc-Verstärkung durch den UN-Sicherheitsrat möglich
sein. Eine Fortdauer der EU-Interimsmission muss ausgeschlossen werden. |
Die Fachzeitschrift afrika süd,
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