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Nr.6-2005 |
Hein Möllers |
„Es geht um dreihundert Milliarden Dollar. Wir sollten dafür tun, was wir können“, das gab der britische Finanzminister Gordon Brown nach dem Abschluss eines G7-Treffens Anfang Dezember seinen Kollegen mit auf den Weg nach Hongkong. Dort begann am 13. Dezember die Handelskonferenz. Sie währt bis zum 18. Dezember (nach Redaktionsschluss). Die Handels- und Finanzminister aus 148 Ländern haben sich dort getroffen. Doch für ihr gemeinsames Ziel, die Liberalisierung des Welthandels, sehen viele schwarz. Es ist vorbei mit der relativ mühelosen Handelserleichterung früherer Abkommen, als von den meisten Schritten fast alle Staaten profitieren konnten. Wer jetzt weiter seine Märkte öffnet, lässt starke Konkurrenten zu, die vor einigen Jahren kaum eine Rolle spielten. Die großen Handelsmächte des Nordens blockieren sich gegenseitig mit Schuldvorwürfen. Schwellenländer wie Indien, China oder Brasilien treten selbstbewusst auf, finden in den Entwicklungsländern Verbündete. Die Zeiten sind vorbei, wo die Europäer und Nordamerikaner mit wohl gesetzten Worten über Armut, Entwicklung und vom Segen des Freihandels sprechen konnten – und ihre Interessen durchsetzten. Sie setzten durch, dass die Zölle auf Autos und Maschinen und Kommunikationstechniken sanken. Denn das sind Produkte, die Europäer und Nordamerikaner verkaufen wollen. Weltweit. Doch sie sperrten sich, die Zölle und Subventionen zum Schutz europäischer Milch und nordamerikanischen Getreides zu senken. Das sind Produkte, die Asiaten, Afrikaner oder Lateinamerikaner kostengünstiger produzieren können und gerne weltweit vermarkten möchten. Noch immer erheben die Industrieländer auf Produkte
aus Entwicklungsländern viermal höhere Zölle als auf Produkte
aus anderen Industrieländern. Weshalb die Länder des Südens
in den zehn Jahren seit Gründung der WTO auf den Weltmärkten
deutlich verloren haben. Nicht einmal in der Landwirtschaft verzeichnen
sie Zuwächse, nicht zuletzt deshalb, weil sie ihre Bauern subventionieren
und deren Überschüsse mit Exportbeihilfen fördern. Die Konferenz wird von Nichtregierungsorganisationen kritisch begleitet. Sie werten die Gestaltungsmöglichkeiten der Konferenz unterschiedlich. Während katholische Verbände um die internationale Caritas die Verhandlungsrunde grundsätzlich begrüßen, vertreten Organisationen wie attac oder das Forum on the Global South die Gegenposition; sie sehen allein im Scheitern der Konferenz einen Erfolg. Andere wie die britische Oxfam sehen Möglichkeiten, die Verhandlungen mit Regelungen für einen fairen Welthandel zu einem Ende zu bringen, eventuell in einer verlängerten Runde, worauf auch Gruppen wie ActionAid Internation setzen. Sie plädieren für einen Verhandlungsstopp, um neue Vorschläge und Angebote für eine Entwicklungsrunde, die den Namen verdient, zu erarbeiten. Allen diesen Gruppen gemeinsam aber ist die Priorität, mit der sie einem gerechten Handel den Vorrang vor dem freien Handel geben. Wer von den Entwicklungsländern mehr Eigenverantwortung fordere, müsse ihnen auch Gestaltungsmöglichkeiten geben. Diese werden ihnen aber durch den offenen Markt genommen. Sie verweisen darauf, dass die Europäische Union
von ihren Anfängen als Wirtschaftsgemeinschaft an knapp vierzig Jahre
gebraucht hat, um die innergemeinschaftlichen Zölle zu harmonisieren
und abzuschaffen. Deshalb fordern viele der Nichtregierungsorganisationen
eine Entschleunigung des Liberalisierungsprozesses. |
Die Fachzeitschrift afrika süd,
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